zuletzt geändert am 5. Juni 2026 von Freddy
Seit 2018 waren wir beim Camping und auf unseren Roadtrips zu viert mit einem Bulli und Aufstelldach unterwegs. Als wir das Fahrzeug gekauft haben, waren unsere Kinder gerade einmal 3 und 6 Jahre alt. Seitdem haben wir viele wunderschöne Reisen erlebt und unzählige Erinnerungen gesammelt. Doch mit den Jahren sind nicht nur unsere Kinder größer geworden, sondern auch die Art, wie wir reisen, hat sich verändert. Unsere Roadtrips wurden immer ausgefallener, die Ziele abgelegener und der Wunsch nach mehr Autarkie und Offroadtauglichkeit größer. Gleichzeitig wurde der Platz im Bulli zunehmend knapp. Das war besonders bei schlechtem Wetter eine Herausforderung. Zudem haben wir bei einer unserer Reisen auch noch einen Vierbeiner aufgenommen und seither begleitet uns unsere Hündin Lotti auf all unseren Touren. Irgendwann mussten wir uns den Tatsachen stellen: Der Bulli reicht einfach nicht mehr und wir brauchen ein neues Fahrzeug, mit dem wir flexibler, unabhängiger und komfortabler unterwegs sein können, vor allem auf längeren Reisen und abseits klassischer Wege und Campingplätze. Nach langer Recherche und vielen Überlegungen haben wir uns schließlich für einen sogenannten Pickup-Camper entschieden. Das ist eine Kombination aus geländegängigem Pickup und absetzbarer Wohnkabine. Wie es zu dieser Entscheidung gekommen ist, welche Erfahrungen wir beim Kauf unseres Pickup-Campers gemacht haben und worauf man aus unserer Sicht unbedingt achten sollte, darum geht es in diesem Artikel.
Warum brauchten wir einen neuen Camper?
Wir haben unser Camping-Setup schon immer Schritt für Schritt angepasst. An unsere Anforderungen und vor allem auch an unser Budget. Angefangen beim einfachen Iglu-Zelt über ein großes Familienzelt aus Baumwolle sind wir schließlich, als wir es uns leisten konnten, bei unserem geliebten Bulli gelandet. Der Kauf unseres Bullis war eine der besten Entscheidungen, die wir je getroffen haben: Viele unserer schönsten Familienerinnerungen haben wir in oder mit diesem Fahrzeug erlebt. Auf Korsika, in Norwegen, Schottland oder auf dem Balkan.
Aber irgendwann muss man ehrlich sein: Unsere Kids sind mittlerweile 10 und 13 Jahre alt und entsprechend gewachsen. Was mit zwei kleinen Kindern gestartet ist und lange gut funktioniert hat, wird mit zwei Halbwüchsigen auf engem Raum zur echten Herausforderung, vor allem an Schlechtwettertagen. Dazu kam unsere Hündin Lotti, die in Montenegro zu uns gestoßen ist und seither mit auf jede Tour geht. Und dann ist da noch der Wunsch, den wir mit jeder Reise etwas lauter gehört haben: Wir möchten weg von Campingplätzen und raus in die Einsamkeit. Das wiederum bedeutet, wir benötigen mehr Autarkie in Form von Strom, Wasser, Abwasser und Toilette und ein Fahrzeug, das auch mal abseits befestigter Straßen mitspielt.
Kurzum: Der Bulli war über viele Jahre genau das richtige Fahrzeug für uns. Wir hatten uns aber nach und nach verändert und damit auch unsere Anforderungen an einen Camper.
Warum haben wir uns für einen Pickup mit Wohnkabine entschieden?
Wir machen es wie alle anderen Camper auch. Auf Tour schauen wir uns immer auch die anderen Camper an. Egal ob auf dem Campingplatz, auf dem Stellplatz oder auf der Autobahn. Man schaut immer anderen Fahrzeugen hinterher und überlegt, was man an seinem eigenen noch verbessern kann.
Bei einer dieser Gelegenheiten sahen wir auf der Bernardino-Route Richtung Italien einen Pickup mit Wohnkabine. Wir hatten so etwas noch nie gesehen, aber irgendwie faszinierte uns das Konzept aus geländegängigem Basisfahrzeug und aufgesetzter Wohnkabine – und wir überlegten erstmals, ob das auch für uns in Frage käme.
Zwischenzeitlich vergaßen wir diese Idee aber wieder und überlegten uns alle möglichen Varianten für unser neues Fahrzeug. Dabei verzettelten wir uns gehörig und drehten uns immer wieder im Kreis. Unsere Gedanken kreisten zwischen Offroad-Campervan von der Stange, Selbstausbau eines 4×4-Sprinters und sogar einem klassischen Wohnmobil. Aber so ganz überzeugte uns keines dieser Konzepte.
Wir fingen also noch einmal ganz von vorne an und erstellten zunächst ein Anforderungsprofil. Wir fragten uns also, was der neue Camper können sollte. Die folgende Liste ist das Ergebnis unserer Überlegungen. Der neue Camper muss:
- mehr Platz bieten,
- kompakte Außenabmessungen haben,
- 4 vollwertige Sitzplätze bieten,
- eine zuverlässige und leistungsfähige Fahrzeugbasis haben,
- geländegängig sein,
- eine Nasszelle haben, mindestens aber eine separate Toilette,
- eine Küche mit Kochstelle und Kühlschrank haben,
- eine Heizung haben,
- mehr Potenzial in Sachen Autarkie bieten (Solar, Strom, Wasser, Abwasser),
- bedingt auch im Alltag einsetzbar sein (gelegentlicher Arbeitsweg, Fahrradtransport, Hänger ziehen, …)
Wir stellten recht schnell fest, dass unsere Vorstellungen entweder gar nicht zu haben waren oder nur mit einem extrem hohen Budget. Wie immer im Leben mussten wir also einen guten Kompromiss finden. Und hier kam uns die alte Idee mit dem Pickup-Camper wieder in den Sinn und wir begannen uns zu informieren.
Den Aufschlag machten wir beim Caravan Salon Düsseldorf, wo wir besonders intensiv die Stände von Tischer und Bimobil besuchten und sehr interessante Gespräche führten. Besonders am Stand von Tischer wurden wir umfassend beraten.
Das Ergebnis unseres Messebesuchs war für uns die Initialzündung, denn wir erkannten, dass ein Pickup mit Wohnkabine nahezu alle unsere Anforderungen erfüllt. Schon auf dem Heimweg aus Düsseldorf war uns klar: Wir werden einen Pickup mit Wohnkabine kaufen. Allerdings war auch schon absehbar, dass wir uns kein Neufahrzeug leisten können, sondern uns auf dem Gebrauchtwagenmarkt umsehen müssen. Aber zunächst brauchten wir mehr Informationen.
Diese fanden wir schon nach kurzer Recherche in Form eines Buchs, das wie für uns geschrieben war. Es hat uns so sehr weitergeholfen, dass wir es an dieser Stelle kurz vorstellen möchten, denn aus unserer Sicht gehört es zur absoluten Pflichtlektüre, wenn man sich für einen Pickup-Camper interessiert. Die Rede ist von „Die Welt der Pickup-Camper“ von Roger Nies.
Buchtipp: Die Welt der Pickup-Camper von Roger Nies
„Die Welt der Pickup-Camper“ von Roger Nies, erschienen im Pistenkuh Verlag, war für uns genau das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt. Roger Nies ist seit über 30 Jahren vom Offroad- und Reisevirus befallen. Erst im Trial- und Rallye-Sport, später auf ausgedehnten Reisen. Er hat sein gesammeltes Wissen in diesem Werk zusammengefasst. Das merkt man auf jeder der knapp 370 Seiten. Außerdem betreibt er das Portal wohnkabinen.online, ebenfalls eine erstklassige Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Pickup-Camper.
Das Buch ist kein trockenes Fachbuch, auch wenn technische Themen wie Gewicht und Zuladung, Fahrwerk, Auflastung, Solar, Wasser und Heizung durchaus in der Tiefe behandelt werden. Es begleitet einen durch den gesamten Entscheidungs- und Kaufprozess: angefangen bei der Frage, welches Konzept überhaupt zu einem passt, über die Auswahl des Basisfahrzeugs bis hin zum Kabinenkauf, egal ob neu, gebraucht oder selbstgebaut. Ein umfangreiches Hersteller- und Händlerverzeichnis mit über 80 Adressen macht das Buch zusätzlich zu einem praktischen Nachschlagewerk.
Besonders wertvoll war für uns, dass das Buch uns geholfen hat, die richtigen Fragen zu stellen, bevor wir teure Fehler machen konnten. Wer sich ernsthaft mit dem Thema Pickup-Camper beschäftigt, kommt an diesem Buch aus unserer Sicht nicht vorbei.
- Das ultimative Handbuch und Nachschlagewerk für Einsteiger und Umsteiger – alles, was du über die Welt der Pickup-Camper wissen musst!
Herausforderung beim Kauf eines Pickups mit Wohnkabine: Gewicht und Zuladung
Bei all der Euphorie und den Vorteilen, die wir in einem Pickup mit Wohnkabine sahen, wurde uns noch während der Findungsphase bewusst, dass wir uns mit einem Thema ganz besonders auseinandersetzen müssen, nämlich dem Gewicht und der verbleibenden Zuladung der Fahrzeug-Wohnkabinen-Kombination. Denn das Gesamtgewicht ist nach einer Auflastung (dazu später mehr) dennoch auf 3,5 Tonnen begrenzt und es gibt große Unterschiede bei den Gewichten der Pickups und der Wohnkabinen.
Wir sind zwar mit wenig Gepäck unterwegs, aber es kommt mit vier Personen schnell einiges an Gewicht zusammen. Viele Camper sind daher permanent überladen und riskieren hohe Strafen, vor allem in Ländern wie Österreich oder der Schweiz.
Schnell wurde uns klar, dass die Auswahl des Basisfahrzeugs weniger nach optischen Gesichtspunkten oder der Ausstattung stattfinden würde, sondern primär nach der verbleibenden Nutzlast. Denn je mehr wir uns mit der Thematik auseinandersetzten, desto klarer wurde, dass für uns die Wahl des richtigen Basisfahrzeugs entscheidend dafür ist, ob wir unseren Traumcamper finden oder ob wir ständig Angst haben müssen, überladen zu fahren.
Von vornherein kalkulierten wir so, dass das Fahrzeug auf 3,5 Tonnen aufgelastet wird. Als Referenzgewicht für eine Wohnkabine rechneten wir mit einer Tischer 230, deren Leergewicht wir mit 650 kg annahmen. Wir stellten dann die verschiedenen Fahrzeuge (in der Double-Cab-Variante) nach Leergewicht zusammen und ermittelten uns so die verbleibende Nutzlast, um einschätzen zu können, ob uns das als Maß für die Zuladung ausreicht. Unsere erste Schätzung ist in der folgenden Tabelle dargestellt:
Fahrzeug | Leergewicht | Nutzlast nach Auflastung auf 3,5 to | Kabinengewicht | verbleibende Zuladung |
Ford Ranger Double Cab | ca. 2300 - 2400 kg | ca. 1.100–1.200 kg | 650 kg | ca. 450–550 kg |
Toyata Hilux Double Cab | ca. 2.200 kg | ca. 1.300 kg | 650 kg | ca. 650 kg |
Mitsubishi L200 Double Cab | ca. 2.100 kg | ca. 1.400 kg | 650 kg | ca. 750 kg |
Isuzu D-Max Double Cab | ca. 2.000 kg | ca. 1.500 kg | 650 kg | ca. 850 kg |
Hinweis: Alle Angaben sind Richtwerte und können je nach Ausstattungsvariante, Baujahr und Motorisierung abweichen. Als Kabinengewicht wurde die Nordstar Camp 6S bzw. Tischer Trail 230 (jeweils ca. 650 kg in der Grundausstattung) als Referenz herangezogen. Maßgeblich sind natürlich immer die konkreten Angaben im Fahrzeugschein bzw. der Hersteller.
Damit war die Sachlage für uns klar: Auch wenn wir uns aus optischen Gesichtspunkten einen Ford Ranger gewünscht hätten, das beste Auto für uns ist wegen des Gewichts der Isuzu D-Max. Das war eine wichtige Erkenntnis, die uns einen großen Schritt nach vorne brachte und die Suche nach einem Pickup deutlich eingrenzte. Wir machten uns also auf die Suche nach einem geeigneten Isuzu D-Max.
Kauf des Pickups: So sind wir vorgegangen
Da uns klar war, dass durch die Auflastung noch Folgekosten entstehen würden, steckten wir erst einmal die Rahmenbedingungen ab. Für die Auflastung hatten wir uns im Vorfeld informiert, was bei einem Isuzu D-Max in etwa auf uns zukommt. Weiterhin waren uns folgende Parameter wichtig:
- Baujahr 2018 oder neuer
- Maximal 60.000 Kilometer, damit wir das Auto auch noch lange fahren können
- Kauf nach Möglichkeit bei einem seriösen Händler
Wir gaben die Parameter in das Autosuchportal ein und bekamen genau zwei Ergebnisse, die für uns in Frage kamen, eines im hohen Norden und eines im Raum Stuttgart. Der D-Max ist eben kein Massenprodukt wie der Ford Ranger, was die Suche zwar erleichterte, aber auch eine weite Anfahrt bedeutete. Hinzu kommt, dass es in Deutschland kein großes Netz an Vertragshändlern und Werkstätten für Isuzu gibt. Dieses Risiko nahmen wir aber bewusst in Kauf und entschieden uns für den Pickup in einem familiengeführten Autohaus im Raum Stuttgart, bei dem wir ein sehr gutes Bauchgefühl hatten. Dabei handelte es sich um einen weißen Isuzu D-Max Double Cab, Baujahr 2019, mit rund 61.000 Kilometern.
Einige Wochen später war es dann so weit. Das Auto musste nach der Besichtigung und dem Kauf noch abholbereit gemacht werden, kam noch einmal in die Werkstatt und wurde gründlich gereinigt, aber dann konnten wir die erste Hälfte unseres Pickup-Campers endlich abholen.
Wie versichert man einen Pickup-Camper mit Wohnkabine?
Vor der Abholung mussten wir uns natürlich noch Gedanken zum Thema Versicherung machen. Wider Erwarten hat das etwas mehr Zeit im Anspruch genommen. Denn so einfach wie beim normalen Auto ist das nicht. Das grundlegende Problem ist, dass eine normale Autoversicherung zunächst nur das Fahrzeug versichert. Die Wohnkabine gilt bei einem Pickup-Camper als Ladung und ist damit in der Standardversicherung nicht abgedeckt. Was zunächst nur nach einem kleinen Detail klingt, kann im Schadensfall teuer werden.
Dazu kommt eine weitere Besonderheit. Anders als bei einem klassischen Wohnmobil, kann die Wohnkabine abgesetzt werden. Viele Versicherer decken die Kabine dann nicht mehr ab, weil sie nicht mehr mit dem Fahrzeug verbunden ist. Wer also die Kabine auf dem Campingplatz oder sonstwo stehen lässt und mit dem Pickup alleine losfährt, sollte genau wissen, ob er in diesem Moment noch versichert ist.
Den ersten Hinweis auf Spezialversicherer für genau dieses Thema haben wir erneut im Buch von Roger Nies gefunden. Dort sind mehrere Anbieter aufgeführt, die sich mit der Versicherung von Pickup-Campern auseinandergesetzt und entsprechende Angebote zusammengestellt haben. Wir haben uns daraufhin zwei davon näher angeschaut. Zum einen die Andreas Schwarz GmbH aus Laatzen und CampingAssec aus Dresden. Es gibt sicher noch weitere Anbieter auf dem Markt. Wir haben uns allerdings nach einem Vergleich dieser beiden Anbieter bereits entschieden und können so nichts zu den anderen sagen. Die grundlegenden Unterschiede der beiden Anbieter haben wir so verstanden:
CampingAssec ermöglicht unter anderem eine separate Versicherung der Wohnkabine, die unabhängig vom Basisfahrzeug abgeschlossen werden kann. Die Kabine muss dabei nicht zwingend in die Zulassung eingetragen werden und ist auch im abgesetzten Zustand auf Reisen (ohne besondere Auflagen) versichert. Darüber hinaus führt ein Schaden an der Kabine nicht zur Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse des Pickups. Das klingt auf den ersten Blick sehr attraktiv.
Wir haben uns am Ende allerdings für einen Tarif über die Andreas Schwarz GmbH entschieden. Als Spezialversicherungsmakler für Freizeitmobile arbeitet Schwarz je nach Situation mit verschiedenen Versicherern zusammen und findet die passende Lösung. Pickup und Kabine sind bei uns gemeinsam als Campingfahrzeug versichert und das Angebot beinhaltet eine Vollkasko, Teilkasko und einen Fahrerschutz. In unserem Tarif ist die Kabine auch im abgesetzten Zustand versichert, allerdings nur, wenn sie auf einem umfriedeten Privatgrundstück oder einem Campingplatz steht. Wohnmobilstellplätze zählen nicht dazu. Das sollte man wissen, bevor man die Kabine irgendwo abstellt und losfährt. Für uns macht das aber keinen großen Unterschied, denn wir planen ohnehin nicht, die Kabine auf Reisen abzusetzen und zuhause steht sie ohnehin immer auf unserem eingezäunten Grundstück.
Notwendige Umbauten an unserem Pickup
Damit unser neuer Isuzu D-Max zukünftig auch eine Wohnkabine tragen kann und die Kombination aus Pickup und Wohnkabine sich später auch gut fahren lässt, mussten noch einige Umbauten vorgenommen werden. Zu diesem Thema hatten wir uns vorher natürlich ausführlich im Buch von Roger Nies informiert und eine kompetente Werkstatt kontaktiert, die wir auf dem Caravan Salon kennengelernt hatten: die Fa. Storkan aus Haßfurt am Main.
Nach einer netten und kompetenten Beratung brachten wir das Auto nach Haßfurt, wo dann folgende Arbeiten an unserem D-Max durchgeführt wurden:
- Zusatzluftfederung Hinterachse: 2-Kreis-Luftfederung mit Kompressor und Manometer im Handschuhfach
- Auflastung auf 3,5 Tonnen inkl. TÜV-Begutachtung
- Wohnkabinenvorbereitung: Haltesatz, Haltekonsolen sowie 13- und 3-polige Steckdose für Rückleuchten und Ladefunktion
- Heckklappe: Schnellwechselbolzen und Steckverbindung für Rückfahrkamera
- AT-Bereifung: BF Goodrich All-Terrain 265/70R17 auf OZ-Rallye-Raid-Felgen
Bei der Abholung wurde uns gezeigt, wie wir die Heckklappe demontieren und den Kompressor für das Luftfahrwerk bedienen. Außerdem bekamen wir alle Unterlagen, die wir zur Eintragung der Auflastung benötigten. Damit mussten wir nur noch zur Zulassungsstelle.
Der Kauf einer passenden Wohnkabine für unseren Pickup
Das schwierigste Thema war sicherlich die Auswahl der Kabine. Hier kamen mehrere Herausforderungen zusammen. Uns war von Anfang an klar, dass wir mit unserem Budget, genau wie beim Auto auch, gebraucht kaufen müssen. Trotzdem wollten wir nach Möglichkeit gerne zu einem Händler. Zu groß war unsere Angst, dass wir bei einem Privatkauf wichtige Details übersehen. Schließlich kennt jeder die Horrorbilder auf Social Media, wo sich Leute aus Unwissenheit Wohnmobile mit Wasserschäden gekauft haben. Die Sache mit den Händlern, die auch Gebrauchtkabinen verkaufen, ist aber: Davon gibt es in Deutschland nur sehr wenige. Neben der Fa. Storkan gibt es noch das Wohnkabinencenter in Gevelsberg. Das war es im Wesentlichen aber schon. Das Angebot an gebrauchten Kabinen vom Händler ist also sehr begrenzt.
Weiterhin waren wir uns unsicher, was das Platzangebot in der Kabine angeht. Uns war bewusst, dass wir etwas mehr Platz brauchen als in unserem Bulli. Dennoch wollten wir gerne weiterhin leicht, flexibel und möglichst kompakt unterwegs sein. Die Kabine durfte also nicht allzu groß sein.
Was den Hersteller anging, so gefielen uns die Kabinen von Nordstar und Tischer am besten. In die nähere Auswahl kamen die Tischer 230, Tischer 240 und die Nordstar Camp 6. Was die Einstiegsvariante hinsichtlich Heck- oder Seiteneinstieg betraf, wollten wir zunächst offenbleiben, um die Auswahl nicht zusätzlich einzuschränken.
Zur Fa. Storkan hatten wir durch den Umbau unseres Pickups ja ohnehin schon guten Kontakt. Dort wusste man, dass wir auf der Suche nach einer gebrauchten Wohnkabine waren. Zusätzlich ließen wir uns auf die Verteilerliste des Wohnkabinencenter in Gevelsberg eintragen. Über diese Liste wird man frühzeitig informiert, wenn das Team um Jens Heidrich interessante, gebrauchte Wohnkabinen ankauft.
Und dann passierte erst mal lange nichts. Angebote, die unseren Suchkriterien entsprachen und dann auch noch in unser Budget passten, gab es schlicht nicht. Die ernsthafte Suche nach einer Wohnkabine hatten wir im August begonnen. Einige Angebote gab es dann im Herbst, doch so wirklich passen wollte keines. Meist war der Preis bei neueren Kabinen einfach zu hoch oder es wurden nur Kombinationen angeboten. Bei uns machte sich ein wenig Ernüchterung breit. Zum Jahreswechsel machten wir uns schließlich auf die eigenständige Suche auf dem Gebrauchtmarkt. Doch auch hier gab es sehr wenig Angebote, bei denen wir ein gutes Gefühl hatten. Oft waren die Kabinen bereits sehr alt oder die Preise maßlos überzogen. Das hatten wir uns alles ganz anders vorgestellt. Eigentlich wollten wir den neuen Camper schon im Herbst oder Winter gekauft haben, ihn nach unseren Vorstellungen einrichten und dann im Frühjahr startklar sein.
Während über unsere Kontakte zur Fa. Storkan und dem Wohnkabinencenter noch immer keine passenden Angebote hereinkamen, fanden wir um Ostern herum dann ein Inserat, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zog: eine ältere, aber wunderschöne und gepflegte Nordstar Camp 6S, die uns nicht mehr aus dem Kopf ging. Wir brauchten noch etwas Zeit, um uns mit dem Gedanken anzufreunden, doch auf eigene Faust eine gebrauchte Kabine zu kaufen. Schließlich fassten wir uns aber dann doch ein Herz, informierten uns eingehend, worauf man achten sollte, und vereinbarten einen Besichtigungstermin.
Bewaffnet mit einem Feuchtemesser, den wir uns eigens für diesen Termin gekauft hatten, zogen wir also los und schauten uns die Kabine an. Der Termin ließ sich gut mit unserem Osterurlaub in Holland verbinden. Es stellte sich heraus, dass wir auf einen Verkäufer gestoßen waren, wie man ihn sich wünscht. Die Kabine hatte er selbst vor drei Jahren beim Fachhändler gekauft und sehr gut gepflegt. Alle Rechnungen waren vorhanden und die gesamte Fahrzeughistorie war lückenlos dokumentiert. Wir prüften alles kritisch und fanden lediglich kleine, kosmetische Mängel. Besonderen Wert legten wir auf die Feuchtigkeitsmessung. Hier hatten wir uns im Vorfeld informiert und alle neuralgischen Punkte, zum Beispiel Nähte, Wände und Boden, eingehend überprüft. Alles war unauffällig. Nach einer kurzen Bedenkzeit machten wir schließlich die Kaufzusage und vereinbarten einen Abholtermin eine Woche später.
Gebrauchte Wohnkabine kaufen: unsere Checkliste
Wer selbst auf der Suche nach einer gebrauchten Wohnkabine ist, dem geben wir folgende Checkliste mit auf den Weg. Sie basiert auf unseren eigenen Erfahrungen beim Kauf unserer Nordstar-Kabine:
außen:
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Erster Gesamteindruck: Wirkt die Kabine gepflegt?
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Oberfläche auf Risse, Korrosion oder Hagelschäden prüfen
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Nachträglich montiertes Zubehör auf saubere Abdichtung prüfen
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Alle Dichtfugen systematisch abgehen, besonders Übergänge von Wand zu Dach
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Solarpaneele auf Risse und Kabelführung prüfen
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Markise ausfahren und auf Flecken, Beschädigungen und Funktion testen
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Hebestützen im abgesetzten Zustand belasten: gibt es Bewegung?
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Trittstufe auf Funktion prüfen
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Tür auf korrektes Schließen überprüfen
innen:
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Geruch beim Eintreten: Riecht es nach Keller oder Feuchtigkeit?
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Wände und Boden mit dem Feuchtemesser prüfen, besonders unter Fenstern und im Türbereich
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Oberflächen abklopfen: weiche Stellen können auf Feuchteschäden hinweisen
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Alle Türen, Schubladen und Klappen auf Funktion prüfen
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Decke und Fensterrahmen auf Wasserränder oder Flecken prüfen
Technik:
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Heizung in Betrieb nehmen und testen
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Kühlschrank auf Funktion prüfen
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Gasanlage und Gasschläuche prüfen
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Wasseranlage in Betrieb nehmen, Schläuche auf Tropfenbildung prüfen
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Warmwasserversorgung testen
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Frischwassertank öffnen und auf Schleimbildung oder Geruch prüfen
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Elektrik komplett testen: Solar, Batterie, Ladebooster, Beleuchtung
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Kochfeld prüfen
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Unterlagen:
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Alle Rechnungen vorhanden?
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Servicehistorie lückenlos dokumentiert?
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Wurde eine regelmäßige Dichtigkeitsprüfung durch einen Fachbetrieb durchgeführt?
Diese Liste erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine fachkundige Beratung, aber sie kann helfen, beim Besichtigungstermin nichts Wichtiges zu übersehen. Wir haben im Anschluss an den Kabinenkauf direkt einen Werkstatttermin bei Storkan ausgemacht und die Kabine auf Herz und Nieren checken lassen. Dort bestätigte sich unser Eindruck. Die Kabine ist dicht und in einem sehr gepflegten Zustand.
Unser Pickup-Camper: Isuzu D-Max Double Cab mit Nordstar Camp 6S
Eine Woche später war es dann so weit. Mit unserem neuen Isuzu D-Max fuhren wir endlich los, um unsere Wohnkabine abzuholen. Ein wenig aufgeregt waren wir schon, denn wir waren absolute Wohnkabinenneulinge und hatten noch nie eine Kabine auf einen Pickup aufgesetzt. Glücklicherweise bot der Verkäufer seine Hilfe an, sodass wir bei dieser Herausforderung nicht ganz allein waren.
Vor Ort verschafften wir uns zunächst noch einmal einen Überblick, checkten die Kabine ein letztes Mal durch und der Verkäufer nahm sich Zeit für eine ausführliche Übergabe. Nach der Bezahlung ging es dann ans Eingemachte. Wir bekamen zwar Unterstützung, machen mussten wir aber alles selbst. Und wir schlugen uns gar nicht mal so schlecht. Nach einer guten halben Stunde war es vollbracht: die „Hochzeit“ war vollzogen. Was wir seit Monaten herbeigesehnt hatten, war Realität geworden. Ein weißer Isuzu D-Max Double Cab mit einer grauen Nordstar Camp 6S. Nicht nur technisch eine sinnvolle Kombination. Auch optisch macht das neue Gefährt durchaus etwas her.
Die Rückfahrt nach Hause bot uns Gelegenheit, erste Eindrücke zu sammeln und uns an das neue Fahrgefühl zu gewöhnen. Das ging erstaunlich schnell. Durch die guten Fahreigenschaften des aufgelasteten D-Max merkt man die hohe Zuladung kaum so stark, wie man es anfangs vielleicht befürchtet. Natürlich muss man Fahrweise und Geschwindigkeit anpassen, aber entspannt unterwegs sein, das geht durchaus.
Für alle, die es genau wissen wollen, hier sind die technischen Daten unseres neuen Pickup-Campers auf einen Blick:
Baujahr | 2019 |
Motor | 1.898 ccm Diesel, 120 kW / 163 PS |
Getriebe | Automatik |
Antrieb | Allrad 4x4 |
Leergewicht (laut Fahrzeugschein) | 2.300 kg |
Leergewicht nach Auflastung (gewogen) | 2160 kg |
Zul. Gesamtgewicht (nach Auflastung) | 3.500 kg |
Nutzlast (nach Auflastung) | 1.200 kg |
Achslast vorne | 1.350 kg |
Achslast hinten | 2.300 kg |
Luftfederung | 2-Kreis-Luftfederung VB Air (Hinterachse) |
Bereifung | BF Goodrich All-Terrain T/A KO3, 265/70R17 |
Felgen | OZ Rallye Raid 8x17H2 ET25 |
Baujahr | 2012 |
Modell | Nordstar Camp 6S, Sondermodell „Polar Nanoq" |
Einstieg | Heck |
Außenlänge | 3.600 mm |
Innenlänge | 2.250 mm |
Innenbreite | 1950 mm |
Leergewicht | ca. 650 kg |
Schlafplätze | 3 |
Bettmaß Alkoven | 1.600 x 2.065 mm |
Bettmaß Sitzgruppe | 980 x 2.000 mm |
Heizung | Alde 3010 (Warmwasser-Zentralheizung) |
Warmwasser | 10 Liter Boiler |
Sanitär | Nasszelle mit Waschbecken, Dusche, Thetford Kassettentoilette mit SOG, Außendusche |
Küche | Gas, 2 Flammen Spülbecken m. Warm- und Kaltwasser |
Kühlschrank | Dometic Kompressor mit Gefrierfach |
Gasversorgung | Gasfach mit 2 x 11,5 kg Propan Truma Level Control |
Gaswarner | Tri Gas Alarm |
Markise | Thule Omnistor 5003 |
Dachventilator | Maxxair Maxx Fan |
Markise | Thule Omnistor 5003 |
Batterie | Wattstunde Nova Base 100ah |
Ladebooster | Victron Orion-Tr Smart 12/12-30A (360W) |
Landstromladegerät | Victron Blue Smart IP22 Charger 12/30A |
Batteriemonitor | Victron SmartShunt 500A |
Solar | 2 x Wattstunde WS80SPS DAYLIGHT Sunpower |
Laderegler | Victron MPPT 75/15 |
Frischwasser | ca. 60 l |
Abwasser | ca. 40 l |
Pickup mit Wohnkabine: Erfahrungen mit Werkstätten und Händlern
Wer sich für einen Pickup mit Wohnkabine interessiert, stellt recht schnell fest: Die Auswahl an Händlern und Werkstätten ist begrenzt. Umso wichtiger ist es, gleich die richtigen Ansprechpartner zu finden. Wir hatten das Glück, auf dem Caravan Salon in Düsseldorf die Fa. Storkan kennenzulernen und im Händlerverzeichnis des Buchs von Roger Nies dann noch das Wohnkabinencenter in Gevelsberg zu entdecken. Damit hatten wir zwei der bekanntesten Adressen in Deutschland gefunden. Unsere Erfahrungen mit beiden möchten wir hier gerne teilen.
Storkan in Haßfurt
Das Autohaus Storkan in Haßfurt am Main ist eines der wenigen Häuser in Deutschland, das sich wirklich auf Pickup-Camper spezialisiert hat. Neben dem Verkauf von neuen und gebrauchten Pickups der gängigen Marken und Wohnkabinen der Marken Tischer und Unica bietet Storkan einen umfassenden Werkstattservice: Auflastungen, Pickup-Umbauten, Caravan-Technik, TÜV und Gasanlagen, alles aus einer Hand. Wer sich noch nicht sicher ist, ob das Konzept Pickup-Camper wirklich zu ihm passt, kann dort sogar einen Pickup-Camper mieten.
Was als kurzes Messegespräch auf dem Caravan Salon begann, entwickelte sich für uns zu einem vertrauensvollen Kontakt, auf den wir uns in jeder Phase des Prozesses verlassen konnten. Besonders Thomas Schäfer und der Geschäftsführer Jürgen Storkan selbst haben uns von Anfang an sehr gut beraten. Geduldig, lösungsorientiert und ohne den Druck, der einem häufig im Autohandel begegnet. Storkan hat zunächst die Auflastung unseres D-Max durchgeführt, alle Umbauten vorgenommen und uns über Monate hinweg bei der Suche nach einer gebrauchten Wohnkabine begleitet.
Als wir unsere Nordstar dann auf eigene Faust gefunden hatten, war Storkan auch hier die erste Anlaufstelle: Wir ließen die Kabine dort gründlich durchchecken und alle weiteren An- und Umbauten ebenfalls dort durchführen. Wer einen kompetenten Ansprechpartner für Pickup-Umbauten und Wohnkabinen sucht, ist bei Storkan aus unserer Sicht sehr gut aufgehoben.
Wohnkabinencenter in Gevelsberg
Wer sich in Deutschland für eine Wohnkabine interessiert, stößt früher oder später auf Jens Heidrich und das Wohnkabinencenter in Gevelsberg. Jens ist gelernter LKW-Schlosser und Automobilkaufmann, seit 2010 Inhaber und Geschäftsführer und hat das Unternehmen zu einer der führenden Adressen für Pickup-Camper aufgebaut. Seit 2013 hält er zudem die Markenrechte an Nordstar und hat die Kabinen seitdem konsequent weiterentwickelt. Außerdem vertreibt er Wohnkabinen der Marken Camp Crown, Globe Cab, Four Wheel Campers und Scout. Wer sich also ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, kommt an seinem Namen nicht vorbei.
Wir waren zur Besichtigung und Beratung in Gevelsberg und hatten einen durchweg positiven Eindruck: große Auswahl, echtes Knowhow und eine ausführliche, angenehme Beratung ohne Verkaufsdruck. In unserem Fall wurden wir von Moritz beraten, einem der Mitarbeiter von Jens Heidrich. Besonders beeindruckt hat uns darüber hinaus die Ausstellung. Hier stehen die unterschiedlichsten Kabinen nebeneinander, sodass man sich wirklich einen guten Eindruck verschaffen und die Modelle direkt miteinander vergleichen kann.
Hätte es zum richtigen Zeitpunkt ein passendes Angebot für uns gegeben, hätten wir uns jederzeit vorstellen können, dort zu kaufen. Leider hat es nicht sollen sein. Wer aber auf der Suche nach einer neuen oder gebrauchten Wohnkabine ist, sollte sich in jedem Fall die Zeit für einen Besuch nehmen. Am besten vereinbart man im Vorfeld einen Termin.
Wer sich vorab informieren möchte, dem sei auch der YouTube-Kanal des Wohnkabinencenter ans Herz gelegt. Jens ist dort sehr aktiv und die Bandbreite der Themen ist groß. Zu fast jeder Frage rund um Wohnkabinen, Pickup-Umbauten und das Leben als Pickup-Camper findet sich ein Video. Für uns war der Kanal während der Recherchephase eine echte Fundgrube.
Pickup Camper kaufen: Unser Fazit und was wir gelernt haben
Wer bis hierher gelesen hat, der ahnt es vielleicht schon: Der Kauf eines Pickup-Campers war für uns nichts Spontanes, sondern ein recht langer Prozess, der Zeit braucht und Geduld erfordert, vor allem dann, wenn die Suche nach der richtigen Kabine einfach nicht voranzukommen scheint.
Was wir in dieser Zeit gelernt haben: Die entscheidende Frage beim Kauf eines Pickup-Campers war für uns nicht „Welches Fahrzeug gefällt mir am besten?“ sondern „Welches Fahrzeug trägt was ich brauche und ist dabei nicht überladen?“ Das klingt nüchtern, ist aber die Grundlage für alles Weitere. Wer das Thema Gewicht und Zuladung unterschätzt, hat später unter Umständen ein Problem. Das gilt vor allem für Familien.
Genauso wichtig war es für uns, die richtigen Ansprechpartner und Informationsquellen zu finden. Mit Storkan und dem Wohnkabinencenter hatten wir zwei Adressen, auf die wir uns wirklich verlassen konnten. Und das Buch von Roger Nies hat uns mehr geholfen als jede Stunde Recherche im Internet. Die Lektüre legen wir jedem Interessierten wirklich dringend ans Herz.
Zu unseren Erfahrungen mit dem Pickup-Camper selbst können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht viel sagen. Alles ist noch neu und die erste große Tour steht erst bevor. Die ersten Probeübernachtungen haben wir aber schon gemacht und können schon sagen: Es fühlt sich gut an, es fühlt sich sogar sehr gut an und wir sind gespannt darauf, was noch kommt mit unserem neuen Pickup-Camper. Die Vorfreude ist riesig.
Es gibt also in Zukunft viel zu berichten, denn wir haben einiges vor. Neben hoffentlich ganz vielen schönen Reisen planen wir natürlich auch einige Umbauten an unserem Fahrzeug: ein Fahrradträger und ein Dachträger sind bereits in Planung und das Solarsetup braucht dringend ein Upgrade.
In diesem Sinne: Der Pickup und die Wohnkabine sind gekauft. Jetzt fängt das Abenteuer erst richtig an.
Pickup mit Wohnkabine: Die wichtigsten Fragen vor dem Kauf
– Echte Geländetauglichkeit mit Allrad und Untersetzung
– Vollständig autarkes Reisen möglich (Solar, Wasser, Heizung)
– Kabine absetzbar, der Pickup bleibt als Alltagsfahrzeug nutzbar
– Kein Zweitfahrzeug nötig
– Grundfahrzeug jederzeit austauschbar (alte Kabine auf neues Auto)
– Günstigere Steuer und Versicherung als klassisches Wohnmobil
– Geringere Mautkosten im Ausland
– Kompakte Abmessungen, hohe Reisegeschwindigkeit
– Geringer Dieselverbrauch im Vergleich zu großen Reisemobilen
– Hoher Wiederverkaufswert, geringer Wertverlust
– Im Straßenverkehr als PKW behandelt, kein Sonntagsfahrverbot
Das lässt sich pauschal kaum beantworten, denn die Kosten hängen von zu vielen Faktoren ab. Das Basisfahrzeug allein kann je nach Modell, Baujahr und Zustand zwischen 15.000 und 60.000 Euro oder sogar mehr kosten. Die Wohnkabine schlägt noch einmal mit 8.000 bis 40.000 Euro oder mehr zu Buche. Hinzu kommen fast immer Umbaukosten für Auflastung, Luftfederung, Kabinenvorbereitung und Bereifung, die sich schnell auf 5.000 bis 10.000 Euro summieren können.
Kurzum: Wer gebraucht kauft und Kompromisse eingeht, kann mit einem Budget von ab 50.000 Euro einen soliden Pickup-Camper auf die Straße bringen. Wer auf Neufahrzeuge und Vollausstattung setzt, landet schnell bei 80.000 bis 100000 Euro und mehr. Realistisch kalkulieren und einen Puffer einplanen ist in jedem Fall ratsam.
Das ist die entscheidende Frage beim Kauf eines Pickup-Campers und wird von vielen unterschätzt. Auch wir haben hier eine Weile gebraucht, um das wirklich zu verstehen. Als grobe Faustregel gilt: Kabinengewicht plus Personen plus Gepäck, Wasser und sonstiges Equipment zusammenrechnen und ehrlich kalkulieren.
Bei uns sieht das so aus: Die Nordstar Camp 6S wiegt ca. 650 kg. Dazu kommen vier Personen (ca. 230 kg), Hund, 60 Liter Frischwasser (60 kg) und Gepäck. In Summe kommen wir auf knapp unter 1.100 kg. Wer hier zu knapp kalkuliert, fährt schnell überladen, was nicht nur teuer werden kann, sondern auch die Fahrsicherheit beeinträchtigt.
Unsere Empfehlung: mindestens 900 bis 1.000 kg Nutzlast nach Auflastung anpeilen, besser mehr. Und das Fahrzeug einmal reisefertig wiegen, bevor man losfährt.
Fast immer ja. Die meisten Pickups haben ab Werk ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,1 bis 3,3 Tonnen. Das klingt viel, ist aber für die Kombination aus Wohnkabine, Personen und Gepäck in der Regel zu wenig.
Eine Auflastung erhöht das zulässige Gesamtgewicht auf 3,5 Tonnen, was in Europa die maximale Grenze für den normalen PKW-Führerschein ist. Eine spezialisierte Werkstatt wie Storkan oder das Wohnkabinencenter übernimmt die gesamte Abwicklung inklusive TÜV-Begutachtung und Typenschildänderung.
Die reine Auflastung kostet zwischen 400 und 800 Euro. Allerdings sind in der Regel weitere Umbauten erforderlich, um sie eingetragen zu bekommen, allen voran eine Zusatzluftfederung an der Hinterachse. Wer gleichzeitig Kabinenvorbereitung und neue Bereifung machen lässt, landet schnell bei 7.000 bis 10.000 Euro für das gesamte Umrüstpaket. Das sollte man von Anfang an im Budget einplanen.
Grundsätzlich kommen alle gängigen Pickups in Frage: Ford Ranger, Toyota Hilux und Isuzu D-Max sind die drei, mit denen man in Deutschland am häufigsten unterwegs ist. Alle drei sind zuverlässig, geländetauglich und lassen sich auflasten. Welches das richtige Fahrzeug ist, hängt von den Anforderungen ab. Nicht unteschätzen sollte man den Faktor Gewicht. Und hier macht der Isuzu D-Max das Rennen: Er hat das niedrigste Leergewicht und damit die höchste verbleibende Nutzlast nach Auflastung. Das ist für Wohnkabinenfahrer der wichtigste Wert überhaupt. Der Ford Ranger sieht gut aus und ist weit verbreitet, hat aber das höchste Leergewicht der drei, was die verbleibende Zuladung deutlich einschränkt. Der Toyota Hilux liegt dazwischen und gilt als besonders zuverlässig.
Wir haben uns nach langer Recherche für den Isuzu D-Max entschieden und bereuen das nicht. Der einzige Nachteil: das Händler- und Werkstattnetz in Deutschland ist überschaubar. Das sollte man beim Kauf im Hinterkopf haben.
Das Thema hat uns selbst sehr beschäftigt, denn wir haben unsere Nordstar auf eigene Faust gebraucht gekauft. Hier sind die wichtigsten Punkte aus unserer Erfahrung:
Das A und O ist die Feuchtigkeitsmessung. Ein günstiger Feuchtemesser gehört zur Pflichtausrüstung beim Besichtigungstermin. Alle neuralgischen Stellen gründlich prüfen: Nähte, Wände, Boden, Fensterrahmen. Wasserschäden sind das häufigste und teuerste Problem bei gebrauchten Kabinen und oft schwer zu erkennen.
Genauso wichtig ist eine lückenlose Dokumentation. Alle Rechnungen vorhanden? Servicehistorie nachvollziehbar? Bei unserem Verkäufer stimmte das alles, was uns sehr viel Sicherheit gegeben hat.
Außerdem unbedingt alle Geräte auf Funktion prüfen: Heizung, Kühlschrank, Gasanlage, Elektrik, Wasseranlage. Im Idealfall alles in Betrieb nehmen und selbst testen.
Wer unsicher ist: Händler wie Storkan oder das Wohnkabinencenter checken Gebrauchtkabinen durch. Das gibt zusätzliche Sicherheit und ist den Aufpreis in der Regel wert.
Wer sich tiefer einlesen möchte: Roger Nies widmet dem Gebrauchtkauf in „Die Welt der Pickup-Camper“ ein eigenes Kapitel mit konkreten Checklisten und Hinweisen worauf man achten sollte.
Die Auswahl an spezialisierten Händlern ist in Deutschland überschaubar. Die zwei bekanntesten Adressen sind die Fa. Storkan in Haßfurt und das Wohnkabinencenter in Gevelsberg. Beide kaufen regelmäßig gebrauchte Kabinen an, checken sie durch und verkaufen sie weiter. Wer sich auf die Verteilerliste des Wohnkabinencenter eintragen lässt, wird frühzeitig informiert wenn ein passendes Angebot hereinkommt. Genau so haben wir es gemacht.
Auf dem Privatmarkt gibt es ebenfalls Angebote, zum Beispiel auf mobile.de oder dem Marktplatz von wohnkabinen.online. Auch auf Kleinanzeigen und in speziellen Pickup-Camper-Foren tauchen regelmäßig Inserate auf. Hier ist aber Vorsicht geboten. Ohne Fachkenntnis ist das Risiko hoch, versteckte Mängel zu übersehen. Wer privat kauft, sollte unbedingt mit einem Feuchtemesser vor Ort sein und im Idealfall jemanden mitnehmen, der sich auskennt.
Die Spanne ist groß. Einfache Pickup-Camper ohne Innenausbau starten bei rund 200 kg, vollausgestattete Alkovenkabinen können über 700 kg wiegen. Eine typische Familienkabine wie unsere Nordstar Camp 6S liegt bei ca. 650 kg in der Grundausstattung. Wichtig dabei: die Gewichtsangaben der Hersteller sind nicht immer verlässlich und oft ohne Zusatzausstattung angegeben. Im Zweifel beim Hersteller nachfragen, was genau im angegebenen Gewicht enthalten ist und vor dem Kauf nach Möglichkeit wiegen.
Das können wir aus eigener Erfahrung beantworten und die Antwort ist ein klares Ja, aber mit ein paar Einschränkungen.
Der Pickup-Camper mit Wohnkabine bietet einiges an Platz, eine echte Nasszelle, eine vollwertige Küche und genug Autarkie, um auch mal abseits von Campingplätzen zu stehen. Ein Raumwunder ist er aber nicht. Vier Personen auf vergleichsweise engem Raum brauchen ein wenig Organisation und Kompromissbereitschaft. Für uns war der Wechsel zum Pickup-Camper allerdings genau der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt.
Das klingt komplizierter als es ist. Die meisten Absetzkabinen haben vier Hebestützen, die an den Ecken der Kabine angebracht sind. Zum Absetzen werden die Stützen ausgefahren bis die Kabine stabil auf dem Boden steht und der Pickup darunter herausfahren kann. Zum Aufsetzen fährt man den Pickup rückwärts unter die Kabine, richtet ihn aus und fährt die Stützen ein bis die Kabine auf der Ladefläche sitzt. Dann wird sie mit dem Haltesatz gesichert. Das Ganze dauert nach etwas Übung nur wenige Minuten. Unsere erste Hochzeit hat eine Dreiviertelstunde gedauert, mit der Zeit wird es schneller.
Es gibt drei Quellen: Solar, Ladebooster und Landstrom. Solar ist die komfortabelste Lösung für autarkes Reisen. Die Energie kommt kostenlos vom Dach. Ein Ladebooster lädt die Kabinenbatterie während der Fahrt über die Lichtmaschine des Fahrzeugs. Landstrom ist die dritte Option für Campingplätze. Sinnvoll ist eine Kombination aus allen dreien. Bei uns sind 160 Wp Solar, ein Victron Orion-Tr Smart Ladebooster und ein Victron Blue Smart Ladegerät für Landstrom verbaut. Als Speicher dient eine 100 Ah LiFePO4-Batterie. Das reicht für unsere Bedürfnisse sehr gut.
Für eine offizielle Umschlüsselung als Wohnmobil gibt es klare Mindestanforderungen: Das Fahrzeug muss über einen Tisch, Sitzgelegenheiten, Schlafgelegenheiten, eine fest installierte Kochgelegenheit und ausreichend Stauraum verfügen. Wichtig: Mit Ausnahme des Tisches müssen diese Einrichtungen fest eingebaut sein. Ein Campingkocher mit Gaskartusche reicht in der Regel nicht. Der Kocher muss explizit für Innenräume geeignet sein und über eine Zündsicherung verfügen. Ist das Fahrzeug als Wohnmobil eingetragen, vereinfacht das die Versicherungssituation erheblich. Wer eine Absetzkabine fährt, kann das Fahrzeug auch ohne Wohnmobil-Eintragung versichern.
Ja, aber mit Einschränkungen. Der Pickup selbst ist dafür gemacht. Die Wohnkabine darauf verändert aber den Schwerpunkt des Fahrzeugs erheblich. Je größer und schwerer die Kabine, desto mehr leidet die Geländetauglichkeit. Eine kompakte Absetzkabine auf einem aufgelasteten Pickup mit Allrad und Untersetzung kommt sehr weit – weiter als ein Kastenwagen oder Wohnmobil. Wer ernsthaftes Offroad plant, sollte aber auf die Kabinengröße und den Schwerpunkt achten. Große Alkovenkabinen mit viel Überstand sind für hartes Gelände weniger geeignet als kompakte Lösungen. Unser Setup mit der Nordstar Camp 6S auf dem D-Max ist für moderates Offroad sehr gut geeignet.










































