zuletzt geändert am 11. Oktober 2026 von Freddy
Wer uns kennt, der weiß, dass wir möglichst autark unterwegs sind und gerne auch mal fernab von Campingplätzen übernachten. Dazu brauchen wir zwar nicht viel an Elektro-Setup, aber dennoch ausreichend Strom für Kühlschrank, Licht und all unsere Geräte, die geladen werden wollen. Schon in unserem Bulli haben wir unser Stromsetup nach und nach unseren vergleichsweise bescheidenen Bedürfnissen angepasst. Und nachdem wir uns einen Pickup mit Wohnkabine angeschafft hatten, war das auch das erste größere Umbauprojekt, das wir umsetzten.
Der Anlass war unsere erste größere Reise im neuen Pickup-Camper. Geplant waren fünf Wochen Balkan mit längeren Offroad-Passagen, unter anderem durch Bosnien und Montenegro. Dafür wollten wir natürlich vorbereitet sein, was die Stromversorgung angeht. Die 50 Wp-Solaranlage, die werksseitig auf unserer Nordstar Camp 6S Polar Nanoq installiert war, plus eine in die Jahre gekommene 100-Ah-Batterie, wäre für diese Tour schlicht zu wenig gewesen. Also haben wir dieses Projekt noch vor unserer Reise angepackt und kurzerhand zwei neue Solarmodule auf das Kabinendach montiert, die alte Batterie ausgetauscht und alle neuen Komponenten sauber verkabelt. In diesem Artikel zeigen wir euch, wie die Ausgangslage aussah, warum wir uns für das neue Setup entschieden haben, wie der Umbau gelaufen ist und was unser neues Setup auf Tour wirklich geleistet hat.
Stromversorgung in der Wohnkabine: Die Ausgangslage
Wir haben unsere Wohnkabine gebraucht gekauft und in diesem Prozess mussten wir einige Kompromisse eingehen, da das Angebot an gebrauchten Wohnkabinen wirklich überschaubar ist. Das Elektrosetup bzw. die Solaranlage auf dem Kabinendach stand da auf der Prioritätenliste relativ weit unten. Darauf achteten wir beim Kauf nur in der Nebensache. Und so kam es, dass unsere Nordstar-Kabine zwar mit einem modernen Landstromladegerät und Ladebooster (lädt die Batterie beim Fahren über die Lichtmaschine) ausgestattet war, aber auf dem Dach nur ein mickriges und altes 50 Wp-Solarmodul installiert war. Der daraus gewonnene Strom wurde darüber hinaus über einen nicht mehr zeitgemäßen Laderegler in einer in die Jahre gekommenen Lithium-Batterie gespeichert, die auch dringend nach einem Upgrade verlangte.

Uns war von Anfang an klar, dass das Solar-Setup in diesem Zustand für uns nicht ausreichen würde. In unserem Bulli hatten wir eine 120 Wp-Anlage auf dem Dach und von unserem neuen Camper erhofften wir uns natürlich noch mehr Möglichkeiten in Sachen Autarkie. Kaum stand unser neuer Pickup-Camper bei uns im Hof, machten wir uns mit Blick auf unsere schon bald bevorstehende Balkan-Reise also an das Upgrade der Solaranlage.
Unsere Planung: mehr Solar, neue Batterie
Wir planten eine längere Balkan-Tour, auf der wir zum ersten Mal auch offroad unterwegs sein wollten. Um auch mal länger frei stehen zu können, brauchten wir also mehr Solarpower auf dem Dach. Die Frage war nur, wie viel überhaupt möglich ist. Denn das Dach unserer Nordstar steht bei uns nicht vollständig für Solarmodule zur Verfügung. Die Dachfläche wird von zwei Dachfenstern, einer Luke über der Nasszelle, einem Maxxfan-Lüfter und der Zwangsentlüftung unterbrochen. Zusätzlich dazu haben wir auf dem hinteren Teil ein Dachzelt auf der Wohnkabine montiert. Damit schrumpft die nutzbare Fläche für Solarmodule auf den vorderen Bereich über dem Alkoven zusammen.
Erschwerend kam hinzu, dass der Alkoven nach vorne hin leicht abfällt und einen Knick macht. Rahmenmodule gingen zwar grundsätzlich, aber die zusätzlich eingeschränkte nutzbare Fläche begrenzte die mögliche Modullänge erheblich. Kurzzeitige Gedanken an flexible Module, die auf dem Dach verklebt werden, verwarfen wir wieder. Immerhin gehen Solarmodule auch mal kaputt und dann hat man mit einer flächigen Verklebung ein Problem. Damit war die Auswahl an geeigneten Modulen von Anfang an überschaubar.
Mit diesen Überlegungen nahmen wir Maß auf unserem Dach und begaben uns auf die Suche nach geeigneten Modulen. Am Ende dieses Schrittes stand ein mehr oder weniger professioneller Installationsplan und eine Liste mit benötigtem Material.

Die Wahl fiel auf zwei WATTSTUNDE WS80SPS Daylight Sunpower Module mit je 80 Wp, macht zusammen 160 Wp. Mit Maßen von 810 x 535 mm passen sie trotz der beengten Platzverhältnisse auf unser Dach und lassen sich sauber verschrauben. Sunpower Back-Contact-Zellen liefern zudem auch bei schlechteren Lichtverhältnissen noch ordentlich Strom, was auf einer längeren Tour ein wichtiger Faktor ist. Nicht immer ist das Wetter gut und die Sonne scheint zuverlässig. Verglichen mit den 50 Wp, die vorher drauf waren, ist es trotz der eingeschränkten Dachfläche immerhin mehr als eine Verdreifachung der Solarleistung. Für uns sollte das hoffentlich reichen.
Neben den Solarmodulen stand auch der Austausch der Batterie auf dem Plan. Die alte Lithium-Batterie in der Kabine hatte ihre besten Tage hinter sich und wir wollten für die Balkan-Tour auf eine zuverlässige, neue und moderne LiFePO4-Batterie setzen. Auch hier hatten wir eine Einschränkung: Das Elektrofach in unserer Nordstar-Kabine ist nicht besonders groß, und die Batterie muss in die vorhandene Halterung passen. Wir suchten also eine Batterie in DIN-Maßen. Fündig wurden wir bei Wattstunde mit der NOVA Base 2 100 Ah. Mit lediglich 277 x 175 x 189 mm passt sie in unser Batteriefach, bringt 100 Ah nutzbare Kapazität mit und hält laut Hersteller mindestens 4000 Ladezyklen durch. Obendrauf gibt es eine Bluetooth-Schnittstelle, die ein Auslesen per Smartphone-App möglich macht. Ob die Batterie auch in der Praxis hält, was die Daten versprechen, haben wir auf dem Balkan ausgiebig getestet.
Neben den Modulen und der Batterie haben wir über Solarkontor auch gleich das komplette Anschlussmaterial von Wattstunde geordert. Halterungen, Z-Winkel, Dachdurchführung, Kabel, Stecker, Sicherungen. Alles aufeinander abgestimmt und passend zum restlichen Setup. Bei Solarkontor kaufen wir schon seit Jahren ein, ob für die Solaranlage auf dem Aufstelldach unseres Bullis oder die Solartasche für unterwegs. Die Qualität der Wattstunde-Produkte kennen wir also, und das Anschlussmaterial aus einer Hand zu beziehen spart einem lästige Kompatibilitätsfragen.

Im Einzelnen haben wir folgende Komponenten verbaut:
Komponente | Anzahl | Wofür/Was |
WATTSTUNDE WS80SPS Daylight Sunpower 80 Wp | 2 | Solarmodule fürs Kabinendach |
WATTSTUNDE NOVA Base 2 100 Ah | 1 | LiFePO4-Bordbatterie |
WATTSTUNDE MOUNT Solarmodul Halterung 53 | 2 | Haltespoiler für Modul 2 |
WATTSTUNDE Aluminium Z-Winkel HSZ100 (100 mm) | 2 | Zusätzliche Modulbefestigung |
WATTSTUNDE Dachdurchführung DX1/W ASA | 1 | Kabeldurchführung durchs Dach |
WATTSTUNDE VSS 4.1 Verlängerungskabel 2 x 1 m (4 mm²) | 1 Set | Verbindung Modul zu Modul |
WATTSTUNDE DAC 4.3 Anschlusskabel 3 m (2 x 4 mm²) | 1 | Verbindung Module zu Laderegler |
WATTSTUNDE MC4.2 Stecker-Set | 1 | Steckverbindungen an den Modulen |
WATTSTUNDE Sicherungskabel 20 A (2 x 4 mm²) | 1 | Absicherung Laderegler zu Batterie |
WATTSTUNDE Batterieanschlusskabel BAKA20-OS/BAKA04-OS (4 mm²) | 1 | Anschluss an die Batterie |
WATTSTUNDE Batteriepolklemmen BAKA | 1 Paar | Plus- und Minuspol |
Dekalin Klebe-Set und Dekasyl MS-5 (290 ml) | je 1 | Kleben und Abdichten auf dem Dach |
Sika 554 Montagekleber | 1 | Verklebung der Haltespoiler |
Solaranlage nachrüsten: Der Umbau Schritt für Schritt
Mit dem Material und unserem Plan ging es dann an die Umsetzung. Was zunächst nach viel Arbeit klang, war schließlich halb so wild und ging uns in weiten Teilen recht gut von der Hand. Hier zeigen wir, wie wir vorgegangen sind.
Die Montage der Solarmodule
Als Erstes musste das alte 50 Wp-Modul vom Dach runter. Das ging doch schneller als gedacht: Kabel am Laderegler abklemmen, die Schrauben an den Haltewinkeln lösen, Modul abheben, fertig. Die Haltewinkel selbst haben wir einfach auf dem Dach gelassen. Die saßen noch bombenfest und waren auch sonst noch gut in Schuss. Nur einer hatte sich gelöst, diesen haben wir vorsichtshalber nochmal neu verklebt. Wer schon mal versucht hat, alte Kleberreste von einem Dach zu bekommen, weiß vermutlich, warum wir uns diese Arbeit gerne gespart haben.


Beim Ausbau zeigte sich ein praktischer Zufall. Die neuen Module haben fast exakt die gleichen Abmessungen wie das alte. Damit konnten wir das erste neue Modul direkt auf den vorhandenen Haltewinkeln montieren, mussten dafür nur die unterseitigen Bohrungen vom alten Modul auf das neue übertragen. Von Hand abmessen war uns zu unsicher, also bastelten wir uns kurzerhand eine Pappschablone.

Ganz so reibungslos lief es dann aber doch nicht. Obwohl wir uns bei der Übertragung wirklich Mühe gegeben haben, saßen die neuen Bohrungen nicht hundertprozentig genau und wir mussten zweimal nacharbeiten. Dazu kommt, dass man von unten gegen das Modul schrauben muss und die auf dem Pickup aufgesetzte Kabine ziemlich hoch ist. Also haben wir uns aufgeteilt: Einer stand auf der Leiter und hat das Modul in Position gehalten, der andere hat von innen durch die Dachluke mitgeschraubt. Nach ein bisschen Hin und Her saß das erste Panel dann aber da, wo es hingehörte.

Für das zweite Modul war die Sache zunächst scheinbar etwas kniffliger, denn dafür gab es bislang keinen vorbereiteten Platz auf dem Dach. Wegen des Knicks im Alkoven waren wir zunächst unsicher, ob wir Haltespoiler verwenden können. Nach kurzem Probieren zeigte sich jedoch, dass es funktioniert. Also montierten wir Modul Nummer 2 mit den Spoilern, was wesentlich komfortabler ist. Für die Klebung verwendeten wir Sika 554 Montagekleber.


Verkabelung und Dachdurchführung
Nachdem beide Module an ihrem vorgesehenen Platz waren, kümmerten wir uns um die Verkabelung. Die beiden Module haben wir in Parallelschaltung verbunden. Glücklicherweise gibt es hierfür fertige MC4-Adapterstecker, sodass Fehler bei der Verkabelung nahezu ausgeschlossen sind. Der Vorbesitzer hatte die Solarkabel mit Montagekleber auf das Dach geklebt. Das fanden wir nicht so schön und entschieden uns für kleine Montagesockel, die mit 3M-Band aufgeklebt werden und durch die man einen kleinen Kabelbinder durchfädeln kann. Das ist eine saubere Lösung.

Anschließend stand noch die Dachdurchführung an. Die alte Durchführung musste raus, denn sie war zu klein für den neuen Kabelquerschnitt. Also haben wir das vorhandene Loch Schritt für Schritt aufgeweitet, das neue Kabel durchgeführt und die neue Durchführung verklebt. Ein Loch in ein dichtes Kabinendach zu bohren ist nicht jedermanns Sache, aber zum Glück hatten wir hier schon Erfahrung. In unserem Bulli war die Dachdurchführung durch das Aufstelldach deutlich komplizierter.

Anschluss am Laderegler und Batterietausch
Von dort ging es weiter zum Laderegler. Das neue Anschlusskabel verlegten wir entlang des vorhandenen Kabelwegs bis zu unserem Victron MPPT 75/15. Bevor wir die Module anklemmen konnten, musste das Kabel noch gekürzt und mit neuen Aderendhülsen versehen werden. Dann konnte der Laderegler seine Arbeit aufnehmen.

Zum Schluss stand noch der Batterietausch an. Das Batteriefach in unserer Nordstar-Kabine ist leider ziemlich eng bemessen, entsprechend umständlich und zeitraubend war dieser letzte Schritt. Erst lösten wir die Polklemmen der alten Forster-Batterie und nahmen sie aus ihrer Halterung. Dann hieß es, die neue Wattstunde NOVA Base 2 100 Ah in das enge Fach zu bekommen und richtig auszurichten, bevor wir die Klemmen wieder anschlossen. Damit war der Umbau auch schon abgeschlossen.

Erster Praxistest im Garten und das Problem der Teilverschattung
Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich unser neues Setup in der Praxis schlägt, führten wir über mehrere Tage einen Test in unserem Garten durch. Dazu simulierten wir einen ganz normalen Stromverbrauch. Wir schalteten also den Kühlschrank ein, nutzten den Maxxfan, wenn wir uns in der Wohnkabine aufhielten, schalteten das Licht ein usw. und beobachteten den Zustand der Batterie über den verbauten Victron SmartShunt, der den Ladezustand der Batterie in Prozent angibt. Hin und wieder checkten wir auch den Solarertrag der Solarmodule, um uns zu vergewissern, ob diese auch korrekt arbeiten.

Eines stellten wir relativ schnell fest: Die beiden parallel geschalteten Module reagieren ziemlich empfindlich auf Verschattungen. Fällt ein Schatten auf einen Teilbereich eines Moduls, nimmt der Solarertrag deutlich ab. Und das passierte über den Tag verteilt ziemlich häufig, denn unser Dachzelt steht direkt im hinteren Bereich des Kabinendachs und wirft je nach Sonnenstand einen Schatten auf einen Teil der Module. Somit blieb der große Solarertrag auch bei intensiver Mittagssonne leider häufig aus und die Batterie ging schon deutlich entladen in die Nacht. Das hatten wir zu Beginn unseres Ausbauprojekts nicht bedacht.

Man muss dazu sagen, dass wir bei unserem Gartentest natürlich nicht gefahren sind, das heißt die Batterie konnte auch nicht zusätzlich mit dem Ladebooster geladen werden. Unterwegs sieht das anders aus, da fahren wir im Normalfall täglich weiter. Dennoch sollte unser Setup imstande sein, auch mal zwei oder drei Tage autark am selben Ort zu stehen. Wir kamen zwar nie in die Situation, dass die Batterie vollständig entladen wurde, die Reserve war uns aber definitiv zu gering und wir suchten nach Optionen.
Unser erster Gedanke war eine größere Batterie. Wie einfach wäre es denn bitte, einfach eine größere Batterie einzubauen. 200 Ah und die meisten Probleme wären gelöst. Da aber der Platz im Batteriefach so beengt ist, verwarfen wir diese Idee sehr schnell wieder.
Der zweite Gedanke war ein weiteres Solarmodul auf dem Dach. Zwar ist auch hier der Platz begrenzt, aber ein Modul direkt über der Dachdurchführung würde schon noch hinpassen. Allerdings würde auch das nicht das Problem mit der Teilverschattung lösen, denn ein drittes Modul stünde im gleichen Schattenbereich des Dachzelts wie die beiden vorhandenen und wäre damit genauso betroffen.
Also entschieden wir uns für Option Nummer 3: eine Solartasche. Eigentlich wollten wir gerne auf eine mobile Lösung verzichten. Wir haben viele Jahre gute Erfahrungen mit Falttaschen gemacht, dachten aber, dass wir mit einem größeren Dach darauf verzichten können und uns das Handling unterwegs sparen. Für die gegebene Situation mit dem Dachzelt auf dem Kabinendach war die Solartasche jedoch optimal, mussten wir uns eingestehen. So kann man mit dem Auto auch mal im Schatten parken und nur die Solartasche nach der Sonne ausrichten und hat dennoch Solarertrag.
Anschließen unserer Wattstunde SOLA Ease 140 Wp
Das Anschließen einer Solartasche ist wirklich nicht schwer. Auch wir Elektro-Noobs haben das ohne Schwierigkeiten hinbekommen. Das Prinzip ist ganz einfach: Die Solartasche wird meist mittels eines Anderson-Steckers mit dem Solarladeregler verbunden. Da dort ja schon die beiden parallel geschalteten Solarmodule vom Dach angeklemmt waren, mussten wir die Solartasche an anderer Stelle ins System integrieren.

Im Vorfeld sollte man kurz checken, ob die entstehenden Ströme bei Parallelschaltung zueinanderpassen und ob der Laderegler ausreichend dimensioniert ist. Dazu ließen wir uns beraten. Unser Victron 75/15 ist zwar etwas unterdimensioniert und muss zukünftig einem größeren Modell weichen, für den Moment wird er es aber tun, auch wenn wir mit einigen Einbußen beim Ertrag rechnen müssen.
Auch an der Verkabelung müssen wir noch nacharbeiten. Da die Anschlussklemmen am Laderegler nicht für drei Stränge ausreichten, haben wir die Kabel der beiden Module und der Solartasche vorher in Wago-Klemmen zusammengeführt und erst dann gemeinsam an den Laderegler angeschlossen. Die Klemmen sitzen geschützt im Schrank im Innenraum, trocken und ohne direkte Vibrationsbelastung. Wer es technisch ganz korrekt machen will, greift hier eher zu einem MC4-Y-Verteiler (dreifach) oder einem Sicherungsverteiler fürs Fahrzeug. Für uns ist das aktuell nur eine Übergangslösung, die wir bereits auf der To-Do-Liste haben.

Das Setup im Härtetest auf unserer Balkan-Offroad-Tour
Der Härtetest erfolgte dann schließlich während der geplanten Balkan-Offroad-Tour. Unser selbstgestecktes Ziel war es, dass wir über die gesamte Dauer der Tour nicht an den Landstrom müssen. Die Tests in unserem Garten zu Hause stimmten uns zuversichtlich, dennoch waren wir natürlich gespannt, ob wir unser Vorhaben auch tatsächlich umsetzen können.
Und wir können es gleich vorwegnehmen. Es hat funktioniert und das sogar ausgesprochen gut. Über fünf Wochen in Slowenien, Bosnien, Montenegro und Kroatien ist die Batterie zu keinem Zeitpunkt unter 30 Prozent gefallen. Wir standen während der Offroad-Passagen öfter frei, blieben auch mal bis zu fünf Tage am selben Ort, wenn es uns gefiel, und in allen Situationen hat das Setup seinen Job gemacht.

Tagsüber haben die beiden fest montierten Module auf dem Kabinendach zuverlässig Strom geliefert. Wenn das Auto im Schatten stand oder die Module durch das Dachzelt verschattet wurden, holten wir die SOLA Ease Solartasche heraus und stellten sie in die Sonne. Das Handling war denkbar einfach: Anderson-Stecker zusammenstecken, Tasche ausrichten und fertig. Das Einzige, was dabei nervt, ist, dass man ab und zu die Tasche neu ausrichten muss, damit der Ertrag auch kommt. Beim Weiterfahren hat der Ladebooster dann zusätzlich nachgeladen. Zwischen diesen drei Quellen war die Batterie eigentlich immer gut versorgt.
Auf den Campingplätzen, die wir zwischendurch angesteuert haben, verzichteten wir bewusst auf den Stromanschluss. Das wäre früher mit unserem Bulli-Setup so nicht möglich gewesen, hat uns aber mit dem neuen Setup keine Sekunde Sorgen bereitet und nebenbei auch noch die Gebühr für den Strom gespart. In Bosnien ist der Strom zwar ohnehin nicht allzu teuer, in Kroatien werden je nach Campingplatz aber schon gerne mal 5 Euro oder mehr fällig.
Der Unterschied zu unserem alten Setup im Bulli ist deutlich spürbar. Dort hatten wir ja eine 100-Ah-AGM-Batterie mit einer 120 Wp Solaranlage, die bei längeren Standzeiten oder wenn die Sonne mal ausblieb schnell an ihre Grenzen kam. Hier mussten wir ständig auf den Ladestand der Batterie schauen. Auf dem Balkan mit dem neuen Setup war das anders. Die neue LiFePO4-Batterie in Kombination mit den Solarmodulen, der Solartasche und dem Ladebooster hat uns diese Aufgabe abgenommen und wir konnten uns ganz auf unsere Tour konzentrieren.
Unsere Erfahrungen mit der Wattstunde NOVA Base 2
Über die Batterie gibt es ehrlich gesagt nur Positives zu berichten. Sie hat fünf Wochen lang gemacht, was sie soll, ohne dass wir uns je mit ihr beschäftigen mussten.
Der wichtigste Punkt war für uns ohnehin schon vor dem Einbau geklärt: Die DIN-Maße passen in das enge Elektrofach unserer Nordstar-Kabine, ohne dass wir an der Halterung etwas ändern mussten. Wer schon mal versucht hat, eine Batterie in einen Bauraum zu bekommen, der eigentlich zu klein ist, weiß, wie viel das wert ist.
Zur NOVA Base 2 gehört außerdem eine eigene App. Per Bluetooth verbindet man sich mit der Batterie und sieht dann Ladezustand, aktuelle Kapazität, Spannung, Zellentemperatur und sogar die Zahl der bisherigen Ladezyklen. Unterwegs haben wir die App allerdings kaum genutzt, weil der verbaute Victron SmartShunt uns das Wichtigste ohnehin anzeigt und wir uns an dessen App gewöhnt haben. Für einen gezielten Blick auf die Batterie selbst ist die NOVA-App aber praktisch, gerade wegen der Zellentemperatur und der Zyklenzahl.

Was die Haltbarkeit angeht, können wir nach einer Saison natürlich noch nichts sagen. Die 4000 Ladezyklen, die der Hersteller angibt, müssen sich erst über Jahre beweisen. Wir werden das im Blick behalten und hier berichten, falls sich etwas tut.
Unser Fazit: Hat sich das Solar-Upgrade gelohnt?
Ja, auf jeden Fall. Das Upgrade hat genau das gebracht, was wir uns davon erhofft hatten. Wir waren fünf Wochen auf dem Balkan unterwegs, mussten nie an den Landstrom und konnten uns voll auf die Reise konzentrieren, ohne ständig ein Auge auf den Batteriestand zu haben. Das allein war den Aufwand schon wert.
Trotzdem gibt es noch ein paar Punkte, die wir in Zukunft angehen werden. Der Victron MPPT 75/15 ist mit der jetzigen Anlage etwas unterdimensioniert und wird perspektivisch gegen ein größeres Modell getauscht. Und die Verkabelung am Laderegler ist aktuell noch nicht optimal. Das Provisorium mit den Wago-Klemmen bauen wir auf jeden Fall auf eine saubere Lösung mit MC4-Steckern um. Beides steht bereits auf der To-Do-Liste.
Was die Solarleistung angeht, haben wir langfristig auch noch Pläne. Sobald wir das Dachzelt irgendwann nicht mehr benötigen, werden wir die freie Dachfläche nutzen und noch mehr Module auf das Dach bringen. So wie es jetzt ist, macht das Setup aber schon richtig Spaß und reicht für unsere Bedürfnisse aus.
Eine kleine Einschränkung müssen wir dabei aber ehrlich benennen. Auf dem Balkan im Sommer ist es natürlich sehr sonnig. Wie sich die Anlage bei deutlich weniger Sonnenstunden schlägt, etwa auf einer Norwegen-Tour, das müssen wir noch herausfinden. Wir sind gespannt und werden natürlich berichten.

Wattstunde Rabattcode: So spart ihr beim Kauf
Bei allen Projekten rund um Solar und Elektrik vertrauen wir schon seit Jahren auf die Produkte von Wattstunde. Vom ersten Solarmodul auf dem Bulli-Aufstelldach über die Solartasche bis hin zu diesem Umbau haben die Komponenten immer zuverlässig funktioniert und die Qualität hat uns bislang noch nie enttäuscht.
Wer selbst ein Solar-Upgrade für seinen Camper plant, wird im Onlineshop von Solarkontor fündig. Mit unserem Rabattcode BULLIKINDER bekommt ihr dauerhaft 5 % Rabatt auf das gesamte Sortiment.
Alle unsere Rabattcodes für Camping- und Outdoorprodukte findet ihr gesammelt auf unserer Rabattcode-Seite.
FAQ: Solaranlage in der Wohnkabine nachrüsten
Das hängt vor allem davon ab, wie viel Platz auf dem Dach zur Verfügung steht und wie die Dachfläche beschaffen ist. Auf einem Kabinendach ist der Platz durch Dachfenster, Luken, Lüfter und in unserem Fall ein Dachzelt oft etwas eingeschränkt. Kompakte Rahmenmodule sind meist die praktikabelste Lösung, weil sie sich verschrauben lassen und im Defektfall einfach austauschbar sind. Wir haben uns für zwei Module mit je 80 Wp und Abmessungen von 810 x 535 mm entschieden, die auf den vorderen Bereich über dem Alkoven passen. Solarmodule gibt es aber in allen erdenklichen Größen. Hier wird jeder fündig.
Technisch gesehen ja. Bei geknickten oder gewölbten Dächern ist das sogar oft die einzige Möglichkeit. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden. Solarmodule gehen auch mal kaputt und ein flächig verklebtes Modul bekommt man nur mit erheblichem Aufwand wieder vom Dach. Bei gerahmten Modulen tauscht man im Zweifel einfach das Modul.
Es gibt zwei gängige Wege. Haltewinkel werden auf dem Dach verklebt oder verschraubt und das Modul wird dann auf den Winkeln montiert. Haltespoiler sind jedoch die komfortablere Variante, weil sie aerodynamisch geformt sind und die Befestigung der Module viel leichter ist. Der Spoiler mitsamt Modul wird einfach auf das Dach geklebt. Wir haben beides verbaut, ein Modul auf vorhandenen Haltewinkeln, eines auf Haltespoilern. Warum? Es gab bereits ein Solarmodul auf unserer Kabine, das auf Winkeln montiert war. Hier haben wir einfach das Modul ausgetauscht. Das neue Modul haben wir dann mit Spoilern befestigt.
Bei einer Parallelschaltung werden die Pluspole der Module miteinander verbunden und die Minuspole ebenfalls. Die Spannung bleibt dabei gleich, die Stromstärke addiert sich. In der Praxis ist das ziemlich einfach, weil es fertige MC4-Adapterstecker gibt, mit denen sich zwei Module Plug and play ohne Werkzeug und ohne Verwechslungsgefahr zusammenführen lassen.
Zuerst wird an geeigneter Stelle ein Loch ins Dach gebohrt, das etwas größer ist als der verwendete Kabelquerschnitt. Dann wird das Kabel durchgezogen und die Dachdurchführung darüber verklebt. Wichtig ist dann noch eine saubere Abdichtung. Wenn eine alte Durchführung ersetzt wird und das neue Kabel dicker ist, muss das vorhandene Loch entsprechend aufgeweitet werden. Das war bei uns der Fall.
Neben den Solarmodulen selbst braucht man Halterungen oder Haltespoiler, Montagekleber und Abdichtungsmasse, eine Dachdurchführung, Solarkabel mit MC4-Steckern, eventuell Verlängerungs- und Verbindungskabel zwischen den Modulen, einen Solarladeregler, ein Batterieanschlusskabel mit Sicherung sowie Polklemmen. Wer die Batterie gleich mit tauscht, sollte vorher prüfen, ob sie in den vorhandenen Bauraum passt.
LiFePO4-Batterien lassen sich tiefer entladen, ohne dabei Schaden zu nehmen. Sie sind bei gleicher nutzbarer Kapazität leichter und halten wesentlich mehr Ladezyklen aus. In der Praxis bedeutet das vor allem mehr nutzbare Reserve. Mit unserer alten AGM-Batterie im Bulli mussten wir bei längeren Standzeiten regelmäßig auf den Batteriestand achten, mit der LiFePO4-Batterie in der Kabine hat sich das erübrigt.
Das hängt davon ab, ob ihr 230-V-Geräte betreiben wollt. Ein Wechselrichter wandelt die 12 V aus der Batterie in 230 V um, damit sich normale Haushaltsgeräte anschließen lassen. Wer nur Kühlschrank, Licht, Lüfter und USB-Geräte nutzt, braucht keinen. Bei uns läuft alles über 12 V, deshalb haben wir bewusst darauf verzichtet. Das spart Platz, Gewicht und vermeidet zusätzliche Verluste im System.
Der Laderegler begrenzt den Ladestrom auf seinen Maximalwert, das heißt, ein Teil des möglichen Solarertrags geht verloren. Gefährlich ist das normalerweise nicht, solange die Eingangsspannung im zulässigen Bereich bleibt. Jedoch verschenkt man wertvolle Leistung. Bei uns ist der Victron MPPT 75/15 mit 160 Wp auf dem Dach und einer 140-Wp-Solartasche an seiner Grenze. Perspektivisch wird er also einem größeren Modell weichen.
Fällt Schatten auf einen Teilbereich eines Moduls, bricht der Ertrag oft stärker ein, als man es vermuten würde. Wir waren auch überrascht. Bei parallel geschalteten Modulen betrifft das zwar nur das verschattete Modul, spürbar ist der Einbruch aber trotzdem. Beim Planen der Modulposition lohnt es sich also, den Sonnenstand über den Tag zu beobachten und darauf zu achten, welche Aufbauten Schatten werfen. Bei uns ist das ganz klar unser Dachzelt, das je nach Sonnenstand einen Teil der Module verschattet.
Wenn die Solaranlage durch Aufbauten verschattet wird oder die Dachfläche begrenzt ist, lohnt sich eine Solartasche auf jeden Fall. Der große Vorteil einer Solartasche ist die Flexibilität. Man kann das Fahrzeug im Schatten parken und die Solartasche trotzdem in die Sonne stellen und nach dem Sonnenstand ausrichten. Wir wollten eigentlich auf eine mobile Lösung verzichten, mussten uns dann aber eingestehen, dass die Kombination aus fester Anlage und Solartasche für unser Setup die bessere Wahl ist.














































